Die Ausstellungsräume ordnen sich sternförmig um ein Zentrum an. Im Hauptraum, dem sog. »Äther«, wird die reale Geschichte des Radios präsentiert. Eine Zeitleiste an den Wänden führt durch die 80-jähre Rundfunk- geschichte und bindet die umliegenden Räume in den historischen Kontext ein.

In der Mitte befindet sich ein altes Radio, das die Metapher des Auslösers für Visionen und Experimente verkörpert. Um den »Äther« sind die Visionsräume angesiedelt, in denen die Utopien und Radio- experimente präsentiert werden. In chronologischer Abfolge startet die Ausstellung zur Zeit der industriellen Revolution, die mit der drahtlosen Telegrafie den Grundstein für die spätere Erfindung des Radios darstellt. Anschließend gelangt man in den ersten Visionsraum, der Jules Vernes Radioutopie »Ein Tag im Leben eines amerikanischen Journalisten im Jahre 2889« präsentiert, die 1889 noch vor der tatsächlichen Erfindung des Radios entstand.

Der Besucher muss nun den »Äther« durchqueren um den sog. «Funkerspuk«zu erreichen. Dieser Raum setzt sich mit den Anfängen des Radios auseinander und nimmt Bezug auf das gleichnamige historische Ereigniss von 1918.

Es folgt der Raum »Zauberei auf dem Sender«. Dieser wirft einen Blick hinter die Kulissen des Radios in den 20er Jahren und steht für das Experiment mit dem noch jungen Medium.
Im nächsten Ausstellungsbreich kann Bertolt Brechts Radiolehrstück »Der Lindberghflug« durch Besucher eigenständig ausprobiert werden.

Orwells Dystopie »1984«liegt genau gegenüber von Vernes Utopie. Der große Bruder stellt das Horrorszenario durch den Mißbrauch eines Massenmediums dar.
Die nächste Etappe setzt sich mit der Hochphase des klassischen Hörspiels in den 50er Jahren auseinander.

Die Visionen und Experimente der 20er und 30er Jahre werden in den erst 60ern wieder aufgegriffen und mit den neuen technischen Möglichkeiten vorangetrieben. Diesem »Neuen Hörspiel« und im speziellen dem Phänomen der Stereophonie widmen sich die folgenden zwei Räume. Das Wesen der Stereophonie kann mit der interaktiven Installtion am Beispiel von Franz Mons Stück »Der Du Da Bist« erlebt werden. Dieser Teil der Ausstellung wurde real umgesetzt.

Mit dem Webradio eröffnen sich für das Radio neue Perspektiven, die wir als Zukunftsausblick im vorletzten Raum aufzeigen.

Beim Verlassen der Ausstellung wird die Doppelbelegung des Raums »die Vision vom Radio« deutlich, eingangs erfährt der Besucher von Vernes Vision vom Radio, beim Hinausgehen wird der Schwerpunkt auf das Jahr 2889 gelegt und nimmt Bezug auf das vorangegangene Webradio, das Jules Verne bereits in seiner Vision vom Radio andenkt.
Gestalterische Umsetzung

Der Sound ist unser Hauptgestaltungsmittel. Hierbei unterscheiden wir zwischen Hörbeispielen in Form von Original-Ton Dokumenten (Hörspiele, Radiosendungen, Reden, usw.), die unsere Exponate darstellen und atmosphärischen Klangkompositionen, die exklusiv für die Ausstellung erstellt wurden.
Die Rezeption dieser Audiodokumente geschieht auf zwei Arten: Sound der über Lautsprecher in die Räume gesendet wird und Sound, den der Besucher über Kopfhörer erfahren kann. So wechseln sich in der Ausstellung »stille« und »klingende« Räume ab.

Die visuelle Ausgestaltung der Räume wird dem markantesten Charakteristikum des Radios, nur über Audiosignale zu kommunizieren und keine visuellen Reize zu liefern, gerecht.
Die Herausforderung bestand darin eine visuelle Sprache zu finden, die den Klang unterstützt und gleichzeitig die Fantasie der Besucher anregt. So haben wir auf Fotomaterial verzichtet und einen abstrahierten grafischen Stil entwickelt, der der Imaginationskraft des Besuchers ausreichend Spiel lässt die Bilder und Geschichten selbst zu komplettieren.

Die Kombination dieser beiden Ebenen und die Integration des Besuchers ermöglicht ein Erleben der Ausstellung mit allen Sinnen.

12.11.2005

Interaktive Medien

 

Das Lehrgebiet Interaktive Medien setzt sich mit den konzeptionellen, kommunikationsspezifischen und technischen Gestaltungsfragen der interaktiven und vernetzten Medien auseinander.
Dabei wird in Seminaren und Projekten auf die Ästhetik und Semiotik digitaler Medien eingegangen und deren Interaktionsprinzipien analysiert. In interdisziplinären Projekten werden verschiedene mediale Inszenierungsformen erprobt, von Informationsdesign und vernetzten Applikationen über Animation und Motion Graphics bis hin zu medientechnologischen Installationen.
Neue Interaktionskonzepte beschränken sich nicht mehr allein auf das Bedienen der Schnittstellen zu Computern, sie werden zunehmend von einer Neuentdeckung menschlichen Wahrnehmens, Denkens und Handelns geprägt. Neue, soziale Vernetzungsstrategien führten zu einer Umkehrung klassischer Kommunikationsmodelle, aus den Empfängern wurden selbst Sender. Welchen weiteren Einfluss wird diese neue Form des Publizierens auf unser Kommunikationsverhalten und unsere Gesellschaft haben? Damit will sich das Lehrgebiet kritisch und kreativ auseinandersetzen. Bei einer späteren Schwerpunktbildung kann man sich in Projektarbeiten vertiefend mit den Gestaltungsmöglichkeiten interaktiver Medien beschäftigen und das Bachelor-Studium mit einer Thesis im Lehrgebiet Interaktive Medien abschließen.

MASTER-STUDIUM „INTERAKTIVES INFORMATIONSDESIGN”

Nach einem Bachelorstudium kann an der Muthesius Kunsthochschule im Rahmen des Studiengangs Kommunikationsdesign der Master-Schwerpunkt „Interaktives Informationsdesign“ studiert werden. Interaktive Informationsgestaltung beschränkt sich nicht nur auf die Darstellung auf Monitoren, sondern kann auf vielfältige Weise in die Gestaltung und Inszenierung öffentlicher Informationsräume integriert werden. Und dadurch an Emotionalität und Erfahrbarkeit hinzugewinnen. Als Installation oder Interaktionskonzept tritt sie in Wechselwirkung mit realen Objekten, wird zum Vermittler zwischen Betrachter und Artefakt, wird selbst zur Raumgestaltung.
In diesem Kontext bietet das Informationsdesign eine interdisziplinäre Schnittstelle und knüpft damit an andere Master-Programme des Kommunikationsdesigns und der Muthesius Kunsthochschule an. Dadurch können weitreichende Synergien genutzt und geschaffen werden.

Fragen?
Prof. Tom Duscher T 0431 – 5198-478