Zielsetzung

  • Beitrag zum Diskurs „Contemporary Design“ durch die Darstellung von Trends, Strömungen, Verhältnissen und Verbindungen der archivierten Designarbeiten.
  • Visualisierung des Projektarchivs.
  • Direkter Zugriff auf die Projekte: Erstellung eines Interface für das Archiv.

 

Entstehungsprozess – Konzeptuelle Vorüberlegungen 

Zu Beginn des Kurses „Visualizing Contemporary Design“ stellte sich mir die Frage was eigentlich genau „Contemporary Design“ ist. Nach Wikipedia wird “Contemporary” wie im Folgenden definiert: Contemporary can mean Modern times in its generic sense, living, occurring, or existing, at the same time; often also used as a synonym for „modern“.
Demnach geht es bei “Contemporary Design” also um gegenwärtiges Design mit dem Anspruch modern und zeitgemäß zu sein. Aber gibt es spezifische Institutionen, Firmen oder einzelne Menschen die dies festlegen? Und sind diese Festlegungen dann allgemein gültig und anerkannt? Welche Designprojekte- oder Produkte gelten als „contemporary“? Und wie findet man diese Arbeiten? Lassen sich innerhalb der Masse an „Contemporary Design“- Arbeiten Stömungen oder Tendenzen finden und Trends ablesen?
Die Recherche hat viele Fragen aufgeworfen, die zeigten, dass es sich um einen nicht klar definierten Begriff handelt. Ich hielt für mich fest, dass „Contemporary“ eher als die fortwährende Diskussion um zeitgenössische Designarbeiten verstanden werden kann.
Die Projektaufgabe umfasste weiter die Strukturierung von „Contemporary Design“, eben das Erstellen einer „Design Taxonomy“. Dies brachte mich zu einer Recherche über mögliche Hierarchien und Kategorien, nach denen man Design ordnen könnte. Klassische Enzyklopädien lieferten hierzu leider keine befriedigende Antwort, da sie nicht die aktuellste Strömungen im Design beinhalteten. Der Blick auf Wikipedia berücksichtigte zwar diese Strömungen, offenbarte aber auch das Chaos dieser Begrifflichkeiten und ihrer uneinheitlichen Auffassungen. Der Versuch die umfassenden Informationen des Wikipedia Eintrags zu „Design“ strukturiert anhand einer Map zu visualisieren scheiterte. Die Map zeigte nur Begriffsbeziehungen wie sie sich eben, zu dem Zeitpunkt, ergaben und konnte keinesfalls dem Anspruch einer allgemein gültigen Design-Taxonomie gerecht werden.
So kam ich auch an diesem Punkt meiner Recherche zu der Erkenntnis, dass es angemessene Hierarchien und Kategorien des Designs nicht gibt. Zu „heiß diskutiert“ sind Designdisziplinen und Methoden und zu viele neuen Techniken und Medien werden gegenwärtig entwickelt.
Als Konsequenz dieser Erkenntnisse hielt ich für mein Projekt fest, dass es nicht den Anspruch haben kann „Contemporary Design“ umfassend darzustellen, es kann nicht eine objektive, allgemein gültige Taxonomie entwickelt werden, vielmehr muss der Diskurs-Charakter beibehalten werden und vielleicht selbst zum Gegenstand der Visualisierung werden.

 

Konkreter Ansatz – Netzspannung als Antwort

Netzspannung.org ist eine Website des Frauenhofer Instituts und bezeichnet sich selbst als Internetplattform für mediale Inszenierung, künstlerische Produktion und intermediale Forschung. Das Herzstück der Website bildet ein Projektarchiv von studentischen Arbeiten aus den Disziplinen Kunst, Design und Informatik. Die Organisation lässt jährlich den Wettbewerb „digital sparks“ stattfinden und bietet den Studenten damit einen zusätzlichen Anreiz ihre Arbeiten einzureichen. Die Arbeiten müssen von einem Professor, als Mentor, unterstützt sein, so dass von einem guten qualitativen Level ausgegangen werden kann. Die große Menge an Arbeiten, die nicht älter als 1 Jahr sein dürfen, lässt das Archiv als einen repräsentativen Querschnitt von „Contemporary Design“ an deutschen Hochschulen erscheinen. Aus diesem Grund entschied ich den Versuch zu wagen dieses Projektarchiv zu visualisieren, mit dem Ziel Strömungen, Schwerpunkte und Tendenzen aufzuzeigen.
Mit netzspannung als klar definierten Absender, stellt die Visualisierung subjektive Informationen zur Verfügung. Da netzspannung ein Projekt des renommierten Frauenhofer Instituts ist, bekommen die Informationen auch eine bestimmte Wertigkeit. Letztendlich obliegt es allerdings dem Rezipient die Informationen aus der Visualisierung zu bewerten und einzuordnen. Dementsprechend funktioniert die Projektvisualisierung nur durch die Interaktion des Benutzers, der nach und nach das Archiv ordnet und selektiert. Dabei entstehen Kombinationen von Schnittmengen und Teilmengen, woraus der Benutzer Informationen lesen kann.

 

Projektbeschreibung – die Systematik

Die interaktive Archivvisualisierung sphere° hat ein zentrales Steuerungstool, die einzelnen Projekte werden als Kreis dargestellt und laufen in konzentrischen Bahnen um das Steuerungstool. Jedes Projekt (jeder Kreis) beinhaltet einige Metainformationen, nach denen das Steuerungstool die Projekte ordnen und selektieren kann. Diese Metainformationen werden vom Autor des Projekts beim Einstellen in das Archiv eingegeben.

 

Die Eingabe eines Projekts ins Archiv

Als Grundlage für die Visualisierung, die zum Teil auch eine Taxonomie darstellen soll, dient ein System aus Schlagworten und Kategorien. Bei der Eingabe eines Projekts ins Archiv, muss der Autor sein Projekt mit Schlagworten zu den verschiedenen Kategorien versehen. Für eine einheitliche Formulierung sorgt dabei die Auswahl aus einem Schlagwortkatalog. Zusätzlich hat der Autor die Möglichkeit neue Schlagworte für den Katalog vorzuschlagen, so bleibt er aktuell und wird z.B. auch neuste Techniken beinhalten.
Die Kategorien sind möglichst allgemeiner Natur und sollen auf jede Art von Projekt anwendbar sein. Dadurch sollen sie vor allem unabhängig von aktuellen Trends sein. Sie lauten: Disziplin, Medium, Technik, Methode, Ort und Inhalt.
Gegenwärtig funktioniert die Projekteingabe bei netzspannung.org bereits mit einigen Schlagworten, die meiner Meinung nach, allerdings noch recht ungeordnet sind. Daher schlage ich für die Einführung meiner Projektvisualisierung auch eine Änderung der Projekteingabe vor. Es sollte eine eigene Unterseite zur Wahl der Schlagworte zur Verfügung stehen, auf der sich zu jeder Kategorie ein eigener Schlagwortkatalog befindet.
Nach der Auswahl eines Schlagwortes, wird dem Nutzer ein „Gewichtungsregler“ angezeigt mit dem er die Bedeutung des Schlagwortes für sein Projekt gewichten kann. So erhält jedes Schlagwort neben dem reinen Inhalt noch eine Information über die Qualität des Schlagwortes.
Eine mehrfach Auswahl ist möglich, sollte allerdings auf ca 3 Schlagworte pro Kategorie begrenzt sein.

Ein Beispiel:
Angenommen ich gebe mein eigenes Projekt in das Archiv ein und wähle als erstes für die Kategorie „Disziplin“ das Schlagwort „Design“. Da es in meinem Projekt um eine Visualisierung von Designarbeiten geht, stufe ich dieses Schlagwort als sehr wichtig ein. Im zweiten Schritt, wähle ich ein Schlagwort für die Kategorie „Inhalt/ Art des Projekts“. Die Wahl fällt mir etwas schwerer, da mein Projekt sich nicht hundertprozentig einem Schlagwort zuzuordnen lässt. Ich entscheide mich für „Kultur“, gewichte dieses Schlagwort aber geringer… etc.

 

Die Darstellung eines Design-Projekts

Das einzelne Projekt wird im System als Kreis dargestellt. Der Kreis als elementare geometrische Grundform wird als einfach empfunden und wirkt so der Komplexität entgegen, die bei der gleichzeitigen Anzeige von besonders vielen Projekten entsteht. Weiterhin bietet er eine gute Fläche um durch Farbe Information zu kommunizieren. Jede Farbe steht dabei für ein spezifisches Schlagwort.
Wenn der Benutzer mit der Maus über einen Kreis fährt, wird der Projektname angezeigt. Außerdem kann der Benutzer zu jedem Zeitpunkt auf ein einzelnes Projekt klicken um eine erste Ansicht des Projekts angezeigt zu bekommen. Diese Ansicht zeigt ein Thumbnail, Projektname, beschreibende Unterzeile und den/ die Autoren des Projekts.
Ebenfalls bekommt der Benutzer in diesem Moment einige Metainformationen mitgeteilt, diese können auch als Legende (bezogen auf den Kreis/ Projekt) bezeichnet werden:
Es werden einige Faktoren aufgelistet, die als Summe einen Wert ergeben, der den „Qualitäts-Wert“ des Projekts darstellt und sich im Kreisradius wieder spiegelt.
Der Qualitäts-Wert setzt sich zusammen aus:
– Der Anzahl an „Klicks“, also wie oft das Projekt aufgerufen wurde.
– Eine Punktzahl zur Bewertung, die von der Jury von netzspannung.org abgegeben wurde.
– Eine Punktzahl für den Dokumentationsumfang. Dies soll auch ein Anreiz sein die Projekte gut und umfangreich zu dokumentieren.
– Eine negative Punktzahl für das Alter des Projekts.
Diese Art der „Qualitäts-Berechnung“ hat einige entscheidende Vorteile gegenüber der im Netz üblichen Qualitätsbeurteilungen, wie die Vergabe von Sternchen oder die Gleichsetzung von Klicks und Qualität.

Ein Beispiel:
Mit dieser „Qualitäts-Berechnung“ bekommen auch neue Projekte eine Chance wahrgenommen zu werden, wenn der Autor sein Projekt gut Dokumentiert und hierfür viele Punkte erhält. Zusammen mit dem geringen negativen Faktor, aufgrund der Aktualität des Projekts, würde dieses Beispielprojekt relativ groß dargestellt werden (da der Kreisradius ja die Summe der „Qualitäts-Berechnung“ ist). Dadurch bekäme es mehr Aufmerksamkeit.
Sollte sich im laufe der Zeit zeigen, dass sich viele Menschen das Projekt angucken würde es weiterhin groß bleiben, obwohl ja der negative Wert im Laufe der Zeit steigt. Sollte das Gegenteil der fall sein und nur wenige Nutzer klicken auf das Projekt, wird es immer kleiner dargestellt.

 

Das Steuerungstool ordnen & selektieren

Das Steuerungstool beeinflusst die Kreise und bietet hierfür zwei grundsätzliche Möglichkeiten: erstens Ordnen und zweitens Selektieren.
Ordnen
Wenn sich die Kreise im ungeordneten Zustand befinden bewegen sie sich auf wechselnden Kreisbahnen um das zentrale Steuerungstool. Dieser Dynamische Zustand suggeriert dem Benutzer Chaos und fordert ihn dazu auf aktiv zu werden und „Ordnung ins Chaos zu bringen“. Die erste Interaktion ist die Auswahl eines Menüpunkts, einer Kategorie, im Steuerungstool. Wurde eine Auswahl getroffen, ordnen sich die Kreise, entsprechend ihres Schlagwortes, automatisch an und bekommen die entsprechende Farbe. Das Sterungstool selbst wird zu einem Kreisdiagramm, dass die Schlagworte zur ausgewählten Kategorie beinhaltet.
Die zweite automatisch ablaufende Aktion schließt sich direkt an dieses erste Anordnen an. Die Kreise ordnen sich strahlenförmig vom Steuerungstool an. Der Abstand zur Mitte stellt die Wichtigkeit des Schlagworts für das Projekt dar. Eine Legende fährt kurz auf und verdeutlicht diesen Informationsgehalt. Nachdem der Benutzer ein paar Sekunden die Möglichkeit hatte die Legende wahrzunehmen, fährt sie wieder zurück um mehr Raum für die eigentliche Visualisierung zu lassen.
Das Bild, dass sich zu diesem Zeitpunkt ergibt, bietet einige strukturelle Informationen über die Masse an Projekten. Der Rezipient kann z.B. Tendenzen und Schwerpunkte ablesen.
Selektieren
Wenn die Kreise sich im geordneten, statischen Zustand befinden, kann der Benutzer auf einzelne „Tortenstücke“ im Steuerungstool, also Kreisteile mit Schlagworten, klicken, um eine Selektion vorzunehmen. In diesem Fall würden nur noch die Kreise mit dem ausgewählten Schlagwort angezeigt werden. Das Steurungstool fährt selbstständig wieder in den ursprünglichen Zustand zurück und steht für eine erneute Kategorieauswahl zur Ordnung bereit. Gleichzeitig breitet sich ein Ring aus, der die Kreise umschließt und die Teilmenge symbolisiert. Über diesen Ring kann man auch die Selektion zurücksetzen.
Innerhalb dieses Selektion kann man jetzt erneut eine Ordnung vornehmen und auf diese Weise Tendenzen in der Teilmenge aufspüren. Dieser Prozess lässt sich mehrfach fortsetzen.
Ein Beispiel
Zuerst wählen wir die Kategorie „Disziplin“ und bekommen daraufhin die Ordnung der Projekte nach den drei Schlagworten „Kunst“, „Informatik“ und „Design“. Erste Informationen können bereits an dieser Stelle aus dem Schaubild gelesen werden: Es gibt am meisten Projekte im Bereich Design, außerdem scheinen die Projekte im Bereich Kunst das Schlagwort „Kunst“ als wichtiger eingestuft zu haben, als Projekte aus den beiden anderen Bereichen.
Wir klicken auf das „Tortenstück“ mit dem Schlagwort „Design“ und nehmen so eine Selektion vor. Es werden uns nun nur noch Projekte aus dem Bereich Design angezeigt. Diese Teilmenge lassen wir nun erneut ordnen und klicken hierfür in der Auswahl auf „Medium“.
Das entstehende Schaubild zeigt, dass viele Projekte dem Medium „Internet“ zuzuordnen sind. Es scheint so, als gäbe es eine Tendenz zu Internet- und Film Projekten…

 

Fazit

Mit netzspannung.org als klar definierten Absender wird sphere° in einen subjektiven Kontext gerückt. Es besteht kein Anspruch auf Allgemeingültigkeit und eine vollständige Darstellung von Contemporary Design. Mit dem Projektarchiv von netzspannung.org steht dennoch ein Projektarchiv zur Verfügung, dass aufgrund seiner Aktualität und Qualität für brauchbare Informationen über Contemporary Design sorgt.
Nicht nur in der Beurteilung der Informationsquelle steht der Benutzer im Zentrum des Projekts. Auch für die Informationsbildung ist Interaktivität gefordert. Zuerst muss der Rezipient mit dem System interagieren um durch Ordnung und Selektion zu aussagekräftigen Visualisierungen zu kommen. Dann erfordern diese Visualisierungen oder Schaubilder eine Interaktivität des Benutzers im Sinne von eigenem (Weiter-)Denken und Interpretieren. Auf diese Weise bietet sphere° ein Tool zum Analysieren des Projektarchivs und zum Aufspüren von Trend, Tendenzen und Strömungen. Damit wird das Archiv von netzspannung.org selbst aufgewertet, da es jetzt nicht mehr nur die reine Präsentation einzelner Arbeiten ist, sondern auch im Ganzen wahrgenommen werden kann. Informationen über dieses Ganze, über das Archiv, werden in den Vordergrund gerückt und zum Ausdruck von „Contemporary Design“.

 

 

19.11.2008

Interaktive Medien

 

Das Lehrgebiet Interaktive Medien setzt sich mit den konzeptionellen, kommunikationsspezifischen und technischen Gestaltungsfragen der interaktiven und vernetzten Medien auseinander.
Dabei wird in Seminaren und Projekten auf die Ästhetik und Semiotik digitaler Medien eingegangen und deren Interaktionsprinzipien analysiert. In interdisziplinären Projekten werden verschiedene mediale Inszenierungsformen erprobt, von Informationsdesign und vernetzten Applikationen über Animation und Motion Graphics bis hin zu medientechnologischen Installationen.
Neue Interaktionskonzepte beschränken sich nicht mehr allein auf das Bedienen der Schnittstellen zu Computern, sie werden zunehmend von einer Neuentdeckung menschlichen Wahrnehmens, Denkens und Handelns geprägt. Neue, soziale Vernetzungsstrategien führten zu einer Umkehrung klassischer Kommunikationsmodelle, aus den Empfängern wurden selbst Sender. Welchen weiteren Einfluss wird diese neue Form des Publizierens auf unser Kommunikationsverhalten und unsere Gesellschaft haben? Damit will sich das Lehrgebiet kritisch und kreativ auseinandersetzen. Bei einer späteren Schwerpunktbildung kann man sich in Projektarbeiten vertiefend mit den Gestaltungsmöglichkeiten interaktiver Medien beschäftigen und das Bachelor-Studium mit einer Thesis im Lehrgebiet Interaktive Medien abschließen.

MASTER-STUDIUM „INTERAKTIVES INFORMATIONSDESIGN”

Nach einem Bachelorstudium kann an der Muthesius Kunsthochschule im Rahmen des Studiengangs Kommunikationsdesign der Master-Schwerpunkt „Interaktives Informationsdesign“ studiert werden. Interaktive Informationsgestaltung beschränkt sich nicht nur auf die Darstellung auf Monitoren, sondern kann auf vielfältige Weise in die Gestaltung und Inszenierung öffentlicher Informationsräume integriert werden. Und dadurch an Emotionalität und Erfahrbarkeit hinzugewinnen. Als Installation oder Interaktionskonzept tritt sie in Wechselwirkung mit realen Objekten, wird zum Vermittler zwischen Betrachter und Artefakt, wird selbst zur Raumgestaltung.
In diesem Kontext bietet das Informationsdesign eine interdisziplinäre Schnittstelle und knüpft damit an andere Master-Programme des Kommunikationsdesigns und der Muthesius Kunsthochschule an. Dadurch können weitreichende Synergien genutzt und geschaffen werden.

Fragen?
Prof. Tom Duscher T 0431 – 5198-478