Die räumliche Kognition als Abfolge von Wahrnehmung, Speicherung und Abrufen räumlicher Gegebenheiten und Zusammenhänge ermöglicht dem Menschen die problemlose Orientierung in seiner Umgebung. In Bezug auf den Informationsraum Internet bestehen jedoch vor allem bei unerfahrenen Usern zahlreiche Orientierungsprobleme. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass es für viele Menschen schwer bis unmöglich ist, ein kognitives Modell (ein „Bild“) vom lediglich virtuell erfahrbaren Informationsraum Internet zu bilden. Genau wie durch Bewegung durch den (z.B. urbanen) Raum und die damit verbundene Wahrnehmung der Objekte im räumlichen Kontext eine so genannte Kognitive Karte in den Köpfen entsteht, bietet TruePlaces die Möglichkeit, den Informationsraum der eigenen Bookmarks durch Bewegung und Mitgestaltung neu zu erfahren. Die Bildung einer Kognitiven Karte – und damit des Erwerbs von „Überblicks-Wissen“ (survey knowledge) – wird unterstützt durch die Strukturierung des Raumes mit Hilfe der TruePlaces, jenen Orten (Websites), die für uns aus verschiedensten Gründen von besonderer Wichtigkeit sind. Die TruePlaces erfüllen somit eine Leuchtturm-Funktion, sie dienen als Orientierungshilfen und Wegweiser, sie sind die zentralen Bezugspunkte unserer persönlichen Karte des Informationsraums.
Das Versinken unbenutzter Bookmarks in der Tiefe des Raumes entspricht dem Vergessen und Verblassen von Orten in unserer Erinnerung und schafft gleichzeitig Platz für Neues. Über eine Timeline kann der Benutzer den Zustand des Raumes zu einem früheren Zeitpunkt nachvollziehen.
Ein Wechsel in die Vogelperspektive, der jederzeit Möglich ist, bietet dank einer kartenähnlichen Darstellung weitere Orientierung und dient gleichzeitig als Navigationselement um beispielsweise größere Distanzen im Raum zu überbrücken.
In Kombination mit der gleichzeitigen Produktion dieses individuellen Raumes durch Hinzufügen, Entfernen, Verschieben und Umsortieren der Bookmarks löst sich TruePlaces von einer rein textbezogenen Kategorisierung in Hierarchien oder durch Schlagworte und bietet eine Form der Visualisierung, die es erlaubt, assoziative Verknüpfungen oder persönliche Vorlieben bei der Sortierung der Bookmarks mit einzubeziehen.

 

19.07.2014

Interaktive Medien

 

Das Lehrgebiet Interaktive Medien setzt sich mit den konzeptionellen, kommunikationsspezifischen und technischen Gestaltungsfragen der interaktiven und vernetzten Medien auseinander.
Dabei wird in Seminaren und Projekten auf die Ästhetik und Semiotik digitaler Medien eingegangen und deren Interaktionsprinzipien analysiert. In interdisziplinären Projekten werden verschiedene mediale Inszenierungsformen erprobt, von Informationsdesign und vernetzten Applikationen über Animation und Motion Graphics bis hin zu medientechnologischen Installationen.
Neue Interaktionskonzepte beschränken sich nicht mehr allein auf das Bedienen der Schnittstellen zu Computern, sie werden zunehmend von einer Neuentdeckung menschlichen Wahrnehmens, Denkens und Handelns geprägt. Neue, soziale Vernetzungsstrategien führten zu einer Umkehrung klassischer Kommunikationsmodelle, aus den Empfängern wurden selbst Sender. Welchen weiteren Einfluss wird diese neue Form des Publizierens auf unser Kommunikationsverhalten und unsere Gesellschaft haben? Damit will sich das Lehrgebiet kritisch und kreativ auseinandersetzen. Bei einer späteren Schwerpunktbildung kann man sich in Projektarbeiten vertiefend mit den Gestaltungsmöglichkeiten interaktiver Medien beschäftigen und das Bachelor-Studium mit einer Thesis im Lehrgebiet Interaktive Medien abschließen.

MASTER-STUDIUM „INTERAKTIVES INFORMATIONSDESIGN”

Nach einem Bachelorstudium kann an der Muthesius Kunsthochschule im Rahmen des Studiengangs Kommunikationsdesign der Master-Schwerpunkt „Interaktives Informationsdesign“ studiert werden. Interaktive Informationsgestaltung beschränkt sich nicht nur auf die Darstellung auf Monitoren, sondern kann auf vielfältige Weise in die Gestaltung und Inszenierung öffentlicher Informationsräume integriert werden. Und dadurch an Emotionalität und Erfahrbarkeit hinzugewinnen. Als Installation oder Interaktionskonzept tritt sie in Wechselwirkung mit realen Objekten, wird zum Vermittler zwischen Betrachter und Artefakt, wird selbst zur Raumgestaltung.
In diesem Kontext bietet das Informationsdesign eine interdisziplinäre Schnittstelle und knüpft damit an andere Master-Programme des Kommunikationsdesigns und der Muthesius Kunsthochschule an. Dadurch können weitreichende Synergien genutzt und geschaffen werden.

Fragen?
Prof. Tom Duscher T 0431 – 5198-478